Als Young Professional in der Steuerbranche Führung übernehmen – ohne Führungskraft zu sein

Wie sich auch Berufseinsteiger einen Karrierevorsprung verschaffen können
Als Young Professional in der Steuerbranche Führung übernehmen – ohne Führungskraft zu sein

Die Steuerbranche befindet sich in einer Phase massiver Veränderungen. Vom konservativen Berufsfeld mit Papierkram bewegt sie sich nun in Richtung neuer Technologien und künstlicher Intelligenz. Durch den Generationenmix entstehen nicht nur neue Herausforderungen, es bieten sich auch viele Chancen – gerade für Young Professionals.

1. Was sind Young Professionals?

Als Young Professionals gelten Berufseinsteigende, die am Anfang ihrer Karriere stehen und in der Regel bereits ein bis fünf Jahre nach Studium oder Ausbildung im Beruf tätig sind. Daher handelt es sich hier nicht konkret um ein Alter, sondern vielmehr um eine berufliche Entwicklungsphase. Young Professionals gelten als gut ausgebildete Nachwuchskräfte.

2. Warum sie heute viel früher führen können

Frühe Führung lässt sich auf drei Trends zurückführen, die gerade die jüngere Generation mit sich bringt.

Komplexität:

Fachwissen ist nicht mehr zwingend linear aufgebaut. Wer sich in Spezialthemen, wie zum Beispiel ESG oder künstlicher Intelligenz, weiterbildet, wird häufig für Meinungen eingeholt, unabhängig von der Position im Unternehmen.

Technologiewandel:

Jüngere Mitarbeitende haben häufig ein intuitives Verständnis für Tools, Datenlogik und digitale Workflows oder zumindest eine hohe Bereitschaft, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Dieses Wissen ist wertvoll.

Projektorientiertes Arbeiten:

Statt sich lediglich auf seine eigenen Aufgaben zu konzentrieren besteht Arbeit aus teamübergreifenden Projekten, in denen alle temporär eine Führungsrolle übernehmen - die sogenannte laterale Führung.

3. Wie kann ein Young Professional Führung übernehmen?

Klarheit schaffen – strukturieren statt abwarten:

  • Aufgaben in Projekten gliedern
  • To-Dos klar benennen, priorisieren und Deadlines sichtbar machen
  • Kolleg:innen Orientierung bieten

Wissen aktiv teilen:

  • Kurzschulungen geben
  • Checklisten erstellen
  • Tipps im Teamchat teilen
  • Prozesse vereinfachen

Verantwortung übernehmen, ohne gefragt zu werden:

  • Bei Fragen eine proaktive Recherche tätigen
  • Übernahme von Kommunikation bei Projekten
  • Ein Thema aufbereiten, statt Aufgaben abzuarbeiten

Kommunikation beherrschen:

  • Klare Formulierungen
  • Realistisches Erwartungsmanagement
  • Lösungsorientiertes Sprechen
  • Respektvollen Umgang mit Stress

Den Überblick behalten:

  • Status-Updates
  • Infos bündeln
  • Zeitpläne im Blick behalten
  • Risiken früh erkennen

Feedback einholen und geben:

  • ,,Wie kann ich das besser machen?"
  • ,,Was hat dir geholfen?"
  • ,,Was sollen wir im nächsten Projekt verbessern?"

4. Warum Kanzleien dieses Verhalten lieben?

Kanzleien profitieren enorm von Young Professionals, die informell führen. Denn: es ist weniger Abstimmungsaufwand nötig, was häufig auch mit höherer Zufriedenheit bei Mandant:innen verbunden ist. Außerdem führt es zu schnelleren Projektabläufen, mehr Innovationskraft und bietet den Seniors viel Entlastung. Es zeigt, dass Nachwuchskräfte wie Berater:innen denken und nicht wie reine Sachbearbeitende, die sich nur mit ihren Aufgaben beschäftigen.

5. Vorteile für die eigene Karriere

Neben vielen Vorteilen, die die Kanzlei und Kolleg:innen durch Young Professionals haben, ist auch ein richtiger Karriereschub möglich. Berufseinsteiger mit dieser Kompetenz werden schneller ins Vertrauen genommen, sie bekommen die besseren Projekte, werden zu internen Ansprechpartner:innen und sind sichtbarer. Oft dauert es daher zwei bis drei Jahre bis zum Senior, Projektleiter:in oder zum Teamlead. Wer Struktur schafft, Wissen teilt und Verantwortung übernimmt, wird automatisch zur Führungsperson, ganz unabhängig vom Karrierestand. Diese Art von Leadership ist genau das, was moderne Kanzleien suchen: Menschen, die mitdenken, gestalten und andere besser machen.

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