Das Steuerberaterexamen besteht seit Jahrzehnten etwa nur die Hälfte der Teilnehmenden auf Anhieb. Bei den jüngeren Jahrgängen ist das anders: Bei den unter 25-Jährigen liegt die Bestehensquote bei 80 Prozent. Warum das so ist, welche Wege zum Steuerberatertitel gefragt sind und wo besonders viel Potenzial steckt, erklärt Lars Nüdling in diesem Interview.
Herr Nüdling, was ist heute der wichtigste Weg zum Steuerberatertitel?
Lars Nüdling: Der klassische Weg erfolgt über ein Hochschulstudium, mit einer Regelstudienzeit von vier Jahren reichen Ihnen anschließend zwei Jahre praktische Tätigkeit in einer Kanzlei aus, mit weniger Semestern benötigen Sie drei Jahre; letzteres trifft häufiger auf die Diplom-Finanzwirte zu. Das war im Übrigen auch mein persönlicher Zugang. Neu hinzugekommen ist vor vor ein paar Jahren der 'Taxmaster', damit schafft man es in fünf Jahren. Deshalb haben wir inzwischen eine ganze Reihe von 23- und 24-jährigen Kandidatinnen und Kandidaten.
Wie schätzen Sie den 'Taxmaster' und insgesamt einen so frühen Berufseinstieg ein?
Nüdling: Tatsächlich haben die Jüngeren einen Vorteil, da sie noch voll und ganz im Lernen sind, sich fokussieren können und normalerweise keine privaten Verpflichtungen haben. Nicht von ungefähr liegt die Bestehensquote bei den unter 25-Jährigen auch bei 80 Prozent, und nicht bei 50, wie im Durchschnitt aller Altersgruppen. Deshalb kann ich den 'Taxmaster' durchaus empfehlen.
Was ist denn im Hinblick auf die Zeitschiene außerdem wichtig für den Prüfungserfolg?
Nüdling: Zentral ist die Frage, wann man mit der Vorbereitung beginnt. Ich empfehle, das ein Jahr im voraus zu tun, damit das Gehirn sich darauf einstellen kann. Dabei ist es egal, ob man vorher studiert hat oder nicht.
Die Durchfallquoten sind ja seit Jahrzehnten unverändert hoch, nun soll Bewegung in die Prüfungsordnung kommen. Wie beurteilen Sie dies?
Nüdling: Eine Modularisierung soll nach derzeitigem Stand in den nächsten Jahren in Anlehnung an die Novelle der WP-Prüfungsordnung das Erfolgsmodell werden. Ich persönlich glaube, dass dies schon ein richtiger Ansatz ist, womöglich aber nicht ausreicht, um mehr Berufsträgerinnen und Berufsträger zu gewinnen. Denn das Problem fängt viel früher an: Schon der Ausbildungsberuf des Steuerfachangestellten ist nicht sexy. Deshalb kommen bereits weniger Kandidatinnen und Kandidaten über den berufspraktischen Zugangsweg. Im Ergebnis denke ich daher, dass die Reform womöglich nicht mehr Berufstitel bringen wird, aber wenigstens hilft, das derzeitige Niveau zu halten.
Was empfehlen Sie denn als Karriereziel unterhalb des Steuerberaters?
Nüdling: Wir finden tatsächlich den Fachassistenten für Rechnungswesen und Controlling sehr gut, der sich auf den Steuerfachangestellten aufsatteln lässt. Denn hier geht es schwerpunktmäßig um betriebswirtschaftliche Beratung, Kosten- und Leistungsrechnung. Dieses Wissen bringt nicht nur eine Zusatzqualifikation, sondern die BWL-Klausur, die man hier schreibt, entfällt in späteren Prüfungen, wenn man zum Beispiel dann den Steuerfachwirt machen möchte. Letzteren bestehen viele gerade aufgrund dieser besagten Klausur zumindest in Niedersachsen häufig nicht.
Was halten Sie vom 'Steuerfachwirt'?
Nüdling: Diesen unterscheiden nur Nuancen vom Steuerberaterexamen, was die Schwierigkeit angeht. Das bedeutet, dass er einerseits ein nächster Step sein kann auf dem Weg zum Steuerberater, wenn man in Etappen vorangehen möchte. Notwendig ist er aber andererseits nicht, denn es gibt keine adäquat dotierten Stellen, die in einem vernünftigen Verhältnis zur Schwierigkeit stünden. Wichtig ist zu wissen, dass der Steuerberater eben nicht nochmals viel schwerer wird, wenn man sich durch diese Prüfung gekämpft hat. Deshalb sollte jeder, der ihn bestanden hat, sehr ernsthaft in Erwägung ziehen, auch den Steuerberater zu machen.
Dann gibt es ja noch den Fachangestellten Lohn und Gehalt und den FAIT... Was sagen sie dazu?
Nüdling: Wir forcieren beide nicht, da sie keinen Weg im Anschluss offerieren. Das bedeutet aber nicht, dass diese Titel keine sinnvolle Zusatzqualifikation darstellen, für den- oder diejenige, der gerade in diesem Spezialgebiet tätig ist.
Gibt es einen generellen Rat für alle, die sich auf der Steuerkarriereleiter befinden?
Nüdling: Sinnvoll ist, sich sein Ziel vor Augen zu legen und dann rechtzeitig, aber auch nicht zu frühzeitig – ideal ist wie gesagt ein Jahr – mit der Vorbereitung zu beginnen. Man sollte unbedingt sein Umfeld mit einbeziehen und klar machen, dass man sich für die Vorbereitungszeit aus privaten Verpflichtungen zurück ziehen muss. Wichtig ist auch, das eigene Lernen dem Lerntyp und nicht der Lebenssituation anzupassen. Es nützt nichts, dass ich 'gut neben der Arbeit' Online-Seminare besuchen kann, wenn mir das einfach nicht liegt und ich den persönlichen Kontakt brauche.
Außerdem sollte man den Anteil des Wissens, den man durch praktische Erfahrung abdecken kann, nicht überschätzen. Damit will ich nicht sagen, dass die Betreffenden nicht exzellente Beraterinnen und Berater in ihrem Feld sind – die Anforderungen in der Klausur sind aber ganz andere und gehen immer stark von theoretischen Ansätzen aus.
Lars Nüdling ist Mitglied der Geschäftsleitung bei der Lehrgangswerk Haas GmbH & Co. KG. Das Lehrgangswerk Haas ist eine private Akademie für Steuerrecht, Wirtschaftsrecht und Revisionswesen, die im Jahr 1955 von Wilhelm Haas gegründet wurde. Die Verwaltung inkl. Fortbildungszentrum liegt seit 1997 in Springe am Deister, etwa 20 km südwestlich von Hannover in einer landschaftlich sehr reizvollen Umgebung.
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