
Der Arbeitsmarkt befindet sich im stetigen Wandel. Alleine im Jahr 2025 sind bisher nochmal 0,4 Prozent der erwerbsfähigen Menschen in Deutschland (167.000) als Arbeitslose hinzugekommen. Damit sind es nun insgesamt 6,4 Prozent im Vergleich zu den letztjährigen durchschnittlichen 6 Prozent. Das ist nur eine von vielen Veränderungen.
Knapp 187.000 mehr Arbeitssuchende zum 1.1.2025 im Vergleich zum Jahresstart 2024 weisen deutlich auf, dass auch in der Steuerbranche deutliche Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt stattfinden.
Zwar ist die Gesamtstatistik in der Steuerbranche nicht ganz so gravierend, Rückgänge gibt es aber auch hier. So geht zum Beispiel die Statistik der neuen Steuerberater:innen zwar um knapp 26 Personen nach oben, die der Azubis der Steuerfachangestellten jedoch um 54 Personen nach unten und die der Wirtschaftsprüfer gar um mehr als 400 Personen nach unten.
Das hat vor allem eine Ursache: in Kanzleien herrschen sehr große Besetzungsprobleme. Das statistische Berichtssystem für Steuerberater (kurz: STAX) zeigt in einer Recherche eine hohe Nichtbesetzungsquote auf. Unter anderem bei Steuerfachangestellten, Steuerfachwirten und Steuerberater-Anwärtern wurden im Schnitt nur circa 40 Prozent der möglichen Stellen in Einzel-Kanzleien besetzt. In Berufsausübungsgesellschaften circa 70 Prozent.
Ursachen:
Kanzleien reagieren mit (mittlerweile fast üblichen) Benefits wie Homeoffice oder flexiblen Arbeitszeiten, um attraktiver auf Arbeitssuchende zu wirken.
| Beruf | Tendenz 2025 gegenüber 2024 |
| Steuerberater | leicht nach oben |
| Steuerfachangestellte | leicht nach unten |
| Steuerfachwirt | Hohe Nachfrage, aufgrund von Qualifikationsstufen bleibt ein Engpass bei der Anzahl der Mitarbeitenden |
| Buchhalter | Nach unten – rückläufige Nachfrage nach Buchhaltern in Q2 2025 aufgrund von steigender Digitalisierung |
| Betriebswirt | Ebenfalls leicht nach unten wegen rückläufiger Nachfrage aufgrund von steigender Digitalisierung |
| Wirtschaftsprüfer | Anzahl der Kammer-Mitglieder geht allgemein nach unten. Dazu geringere Stellennachfrage |
| Steuerassisten | Trotz hoher Nachfrage ein Rückgäng: STAX zeigt Engpässe bei Anwärter:innen/Berufseinsteigenden |
| Prüfungsassistent | Leicht nach unten. Rückläufiger Finance-Stellenmarkt sprechen für vorsichtigere Einstellungen |
Quellen: Berufsstatistik der Bundesteuerberaterkammer, Statistisches Berichtssystem für Steuerberater, Hays, Hays Fachkräfte-Index und Wirtschaftsprüferkammer
Auffälligkeiten:
Konjunktur bremst Einstellungsdynamik: Bundeseinheitlich geringere Stellenmeldungen Anfang 2025; Finance-Index schwächelt im Q2. Kanzlei-Realität: Engpässe bleiben: Selbst bei verhaltener Konjunktur melden Kanzleien weiterhin hohe Nichtbesetzungsquoten. WP-Berufsstand schrumpft: per 01.01.2025 (–1,8 % gesamt) Kanzleien/Steuerabteilungen: Trotz konjunktureller Delle lohnt aktives Recruiting (Quereinstieg, Ausbildung, Bindung), weil der Engpass strukturell bleibt. STAX zeigt: werbende Maßnahmen sind weiter nötig.
Bedeutungen:
Kanzleien können hierbei vor allem gezielt und noch früher über unterschiedliche Wege (zum Beispiel Social Media oder sich in Schulen präsentieren) mögliche Azubis ansprechen oder diese aktiv mit ganzheitlichen Karrierewegen locken. Beispielsweise attraktive Benefits gepaart mit der Fortbildung vom Steuerfachangestellten zum Steuerfachwirt und letztlich zum Steuerberater. So könnten sich Jugendliche mehr angesprochen fühlen, wenn sie wissen, dass ihr Weg in einer Kanzlei auf jeden Fall weiter gefördert wird über die Ausbildung hinaus.
Zwar ist die Steuerbranche in vielen Bereichen nicht rückläufig, sondern eher stagnierend, dennoch muss sie – gerade für jüngere Leute – attraktiver werden. Da es sich um eine konservative Branche handelt, die vor allem von den sogenannten Babyboomern (Jahrgänge zwischen 1946 und 1964) geprägt ist, wird spätestens in den kommenden Jahren ein massiver Rückgang festzustellen sein, wenn die Verhältnisse bei den Berufseinsteigenden im Vergleich zu den Berufsausscheidenden ähnlich bleibt.
Zugleich sind Kanzleien durch die steigende Digitalisierung auf junge Fachkräfte angewiesen, die schneller bei den digitalisierten Prozessen sind und sich so verstärkt bei Analyse- und Beratungsfunktionen einbringen können. Ohne gezielte Maßnahmen im Recruiting, in Ausbildungsprozessen und der Arbeitgebenden-Attraktivität wird sich der Fachkräftemangel nur noch weiter verschärfen.

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